Das Zierfischverzeichnis
 
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Kakadu-Zwergbuntbarsch

Apistogramma cacatuoides Hoedeman, 1951


Synonyme: Apistogramma borellii;
Apistogramma marmoratus;
Apistogramma U2;

Stamm: Chordatiere (Chordata)
Klasse: Fische (Pisces)
Ordnung: Barschartige Fische (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Buntbarsche (Cichlidae)
Unterfamilie: Geophaginae
Größe: M 9cm, W 6 cm
Erreichbares Alter: ca. 3,3 Jahre*
Geschlechts-
unterschied:
M hat länger ausgezogene Flossen
Ersteinführung 1950
Futter: Lebend- und Gefrierfutter
Aquarium: min. 60 cm (ca. 54 - 63 l)
Beckenbereich: unten / mitte
Sozialverhalten: Paar oder Haaremsbildung
Nachzucht: Höhlenbrüter, Mann- Mutterfamilie
Bemerkung: extreme natürliche Farbenvielfalt
weite Teile des peruanischen Tieflandes im Einzugsbereich des oberen und mittleren Rio Ucayáli
Herkunft: weite Teile des peruanischen Tieflandes im Einzugsbereich des oberen und mittleren Rio Ucayáli und Rio Amazonas und Rio Solimões vom Rio Pachitea bis Tabatinga und bis Tefé
Biotop: Uferzone mit Geröll und Falllaub (weiß- oder Klarwasser)
Temperaturen: 23 - 28°C
pH-Wert: 6 - 7,5
Gesamthärte: < 10°
Karbonathärte: --

Durchschnittliche Preise im Handel:
Preise im Ø von 3,30 € bis 8,70 € (bei 62 Einzelpreisen)*
(Zuchtform und Größe können sich auf den Preis auswirken, diese Angaben dienen nur als grobe Orientierung! In Einzelfällen (Wildfänge, bes. Zuchtformen etc.) können die Preise auch deutlich anders liegen!)

Dieser Fisch bevorzugt die Uferzonen mit Höhlen und Falllaub. Der Kakadu-Zwergbuntbarsch ist auch schon in leicht alkalischem Wasser gefangen worden.

Da Fische dieser Gattung aus sehr nährstoffarmen und sauberen Gewässern stammen, wo sie kaum Nahrung finden, sollte man sie auch in Gefangenschaft nicht zu sehr füttern. Denn die meisten Tiere der Gattung Apistogramma sterben in Aquarien an Überfütterung und/oder deren Folgeerscheinungen. Diese Art ist zudem sowohl gegen schlechte Wasserwerte, als auch gegen Medikamente empfindlich (Wöchendlicher Teilwasserwechsel!).

Kakadu-WeibchenDie Gattung Apistogramma erfreut sich in der Aquaristik sehr großer Beliebtheit. Es gibt ca. 70 Arten, die alle in Südamerika beheimatet sind. Ein gattungstypisches Merkmal aller Arten ist ein deutlicher Sexualdimorphismus, der in direktem Zusammenhang mit der Fortpflanzungsbiologie dieser Fische steht. Einfach ausgedrückt kann man sagen, die Geschlechter können gut anhand der Färbung, Größe und Flossenform unterschieden werden. Bei ihnen handelt es fast ausschließlich um Vater-Mutter-Familien, d.h. das Weibchen betreut die Eier und Jungfische und das Männchen verteidigt das Revier.

(Das Foto oben zeigt ein Weibchen bei der Brut)

Alle Apistogramma Arten sind Höhlenbrüter und viele Arten polygam, d.h. ein Männchen hat mehrere Weibchen. Apistogramma Arten sind nichts für’s große Gesellschaftsbecken mit vielen bunten und lebhaften Fischen. Sie fühlen sich nur in einem gering besetzten Aquarium mit vielen Pflanzen und Höhlen wohl.

Das Wasser muß weich und (leicht) sauer sein. Bei Temperaturen um 25°C fühlen sie sich am wohlsten. Somit kommen als Gesellschaft Salmler, Beilbäuche, Hechtlinge, „Saugwelse" und Panzerwelse in Frage. Dabei ist darauf zu achten, daß ein Apistogramma-Männchen in der Regel kein anderes Männchen im gleichen Aquarium duldet. Auch ein 200 Liter Aquarium ist keine Gewähr dafür, daß die Kämpfe der Männchen glimpflich verlaufen und sich die Tiere aus dem Weg gehen können. Wenn man wirklich in einem großen Aquarium ab 500 Liter mehrere Männchen einer Art halten will, sollten es nicht unter fünf Tiere sein, damit sich die Aggressionen einzelner Tiere auf die anderen verteilen kann.

Kakadu-PäärchenDie Zucht der meisten Arten ist, wenn man sich an die geschilderten Pflegebedingungen hält, meist gut möglich. Wichtig ist, daß die Weibchen genügend Versteckplätze haben, in die sie sich vorm balzenden Männchen zurückziehen können. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um monogame, wie zum Beispiel A. nijsseni, oder polygame Arten handelt.

Die Zwergcichliden Südamerikas leben fast ausnahmslos bodenorientiert, d.h. die Weibchen halten sich überwiegend knapp über dem Boden auf, während die männlichen Tiere zur Revierverteidigung in den oberen Wasserschichten schwimmen.

Bei A. cacatuides sollten mehrere Weibchen zu einem Männchen gesetzt werden, damit sich das Männchen ordentlich „austoben" kann. Dies ist natürlich nur in größeren Aquarien möglich. Gefüttert werden die Jungfische mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien.

Als Idealbesetzung im Aquarium haben sich ein Männchen, das bis zu 9 cm groß werden kann, und zwei Weibchen erwiesen. Pro Weibchen sollte mindestens eine Höhle (Kokosnussschalenhälfte, Blumentopf. Steinhöhle o.ä.) vorhanden sein. Haben wir weitere Bodenbewohner (z.B. Welse), können wir trotzdem bei den Zwergbuntbarschen Nachwuchs erwarten, wenn wir z.B. Kokosnussschalen verwenden, die mit nur einem Loch versehen sind, durch das gerade das Weibchen passt. Die Eier werden in diesem Fall von außen befruchtet, in dem das Männchen den ins Wasser abgegebenen Samen durch einen kräftigen Schwanzschlag in die Höhle befördert. Um in der Kokosnusschale eine gewisse Wasserzirkulation sicherzustellen, sollte mindestens ein weiteres kleines Loch angebracht werden.

Ein kleiner Wermutstropfen ist leider auch bei diesen liebenswerten Fischen vorhanden. Zwergbuntbarsche werden nicht sehr alt, beim A. cacatuoides liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei ca. 36 Monaten. Beim Erwerb der Tiere, gerade bei adulten Exemplaren muß man darauf achten und sollte daher nur Tiere erwerben, über deren Alter Gewißheit besteht. Ausgewachsen sind die Tiere nach ca. einem Jahr. Die Weibchen werden bei idealer Aufzucht bis zu 5 cm groß und zeigen eine gelbliche Körperfarbe mit schwarzen Zeichnungen. In Laichstimmung vertiefen sich die Farben und werden leuchtend gelb mit tiefschwarzen Zeichnungen. Durch die jahrelange intensive Aquariumzucht und evtl. nicht konsequente Selektion gibt es heute Weibchen, die ähnlich bunte Flossen aufweisen wie die Männchen. Ich selbst vertrete die Meinung, man sollte alles versuchen, die ursprüngliche Körperform und Färbung gerade bei den weiblichen Tieren zu erhalten.

Daher sollten zur Zucht auch nur ausgesuchte, dieser Vorstellung entsprechende Exemplare angesetzt werden. Dies bezieht sich, wie wir gleich erkennen werden, bei den A. cacatuoides nur auf die weiblichen Tiere. Bei den Männchen ist man gerade den umgekehrten Weg gegangen. Die ersten Wildfänge oder Nachzuchten aus den 70er bzw. Anfang der 80er Jahre wiesen nur vereinzelt kleine rote oder gelbe schwarzumrandete Farbflecken in den Schwanzflossen auf. Von der gelben Form habe ich während meines bisherigen Aquarierleben nur einmal ein Exemplar gesehen, das nicht zu erwerben war. Die rote Form war anscheinend einfach interessanter und mit der wurde intensiv weitergezüchtet. Das Erstaunlichste war, daß bei den Nachzuchten dann vermehrt Tiere mit größeren Farbflecken in den Schwanzflossen auftraten. Bei einigen Tieren zeigten sich diese Farbflecken zusätzlich auch auf der Rückenflosse. Mit diesen wurde dann weitergezüchtet. Nach Jahren hatten wir dann Tiere, die zuletzt als Doppelrot gehandelt wurden und die heute auch im Handel zu finden sind. Meiner Ansicht nach wurde die Umfärbung der Fische durch intensive Artemia-Fütterung - auch für heranwachsende und adulte Tiere erreicht - und evtl. der Tatsache, daß die Tiere in der Aquarienhaltung keine natürlichen Freßfeinde mehr vorfanden.

Kakadu-MännchenFür Zuchtpaare dieser Art, wenn man überhaupt welche damals von einem Liebhaber / Züchter bekommen konnte, wurden Ende der 80er Anfang der 90er Jahre bis zu 50,- DM bezahlt. Ergänzend sollte noch erwähnt werden, daß die Körpergrundausfärbung bei männlichen Wildfängen variiert. Man findet graue, mehr gelbliche oder blaue Tiere. Im Handel ist überwiegend die mehr gelbliche Variante zu finden. Dazu sind heute Schwanz- und Rückenflosse mehr oder weniger rot/schwarz gefärbt, die neueste Variante sind Tiere mit flächig rotgefärbten Rücken- und Schwanzflossen. Leider ist bei der Züchtung auf Farbe die ursprüngliche Form der männlichen Tiere ins Hintertreffen geraten. Die im Alter große zweizipflige Schwanzflosse und die haubenartig ausgebildete Rückenflosse, dazu die aufgeworfenen wulstigen Lippen sind bei den heutigen Zuchtformen nur noch selten anzutreffen. Leider ging damit auch der imposante Anblick, den gerade adulte Tiere boten, verloren.

Was ist sonst noch zu diesem Aquariumfisch zu erwähnen? Sie fressen alle Fischfuttersorten, die angeboten werden. Es sollte aber abwechslungsreich gefüttert werden. Sie fressen sehr gerne Lebend- oder Frostfutter. Besonders schwarze Mückenlarven und Cyclops werden gern genommen. Auf die Verfütterung von lebenden Tubifex sollte man verzichten, da dieses Futter sehr fetthaltig ist und, wie rote Mückenlarven, häufig aus belasteten Gewässern kommt.

A. cacatuoides stammt aus Peru und bewohnt dort Gewässer, die folgende Daten aufweisen:
pH Wert von 6,0 bis 7,5 bei einer Temperatur von 23 bis 28°C. Sie sind daher gerade für unsere Aquarien bestens geeignet. Gute Erfahrungen bei der Zucht und auch bei der Haltung habe ich bei folgenden Werten gemacht: pH 7,0; dH 10,0 - dabei eine Karbonathärte von 3. Das Wasser sollte möglichst nitratarm sein und die Temperatur zwischen 24 und 26°C liegen. Die vorstehend aufgeführten Wasserwerte habe ich auch bei der Zucht eingestellt.

Zuchtvoraussetzungen: Im Gesellschaftsbecken möglich, besser Einzelbecken. Hier ist die Aufzucht der Jungen durch das Weibchen sehr viel besser zu beobachten und zu verfolgen. Aquarien mit 30 cm Kantenlänge reichen aus. Kokosnussschale mit einem bzw. mehreren Löchern. Besatz: 1 Weibchen, 1 Männchen, das nach dem Vorhandensein des Geleges herausgefangen werden kann. Das Gelege besteht aus ca. 60 bis 80 Eiern, die entweder rot gefärbt sind (überwiegend Artemienfutter) oder von gelblicher Farbe bei einer anderen Fütterung.

Die Pflege des Geleges und die Aufzucht der Jungen übernimmt ausschließlich das Weibchen. Das Weibchen ist während dieser gesamten Zeit leuchtend gelb gefärbt mit tiefschwarzer Zeichnungen. Wenn der Dottersack der Jungen aufgebraucht ist, können sofort frisch geschlüpfte Artemien gegeben werden, die von den Jungfischen als auch vom Weibchen gefressen werden. Zusätzlich kann man mit einem dünnen Luftschlauch künstliches Aufzuchtfutter alle 2 Stunden in den Jungfischschwarm, der vom Weibchen im Aquarium herumgeführt wird, pusten. Jeden Abend, kurz bevor sich die Aquariumbeleuchtung ausschaltet, wird der Schwarm vom Weibchen wieder in die Laichhöhle geführt. Das Weibchen vergreift sich nicht an den Jungfischen, so daß man es erst entfernen sollte, wenn es kein Interesse mehr an dem Nachwuchs zeigt.

Warum sind Apistogramma Arten so „teuer"? Im Handel bezahlt man für ein Paar A. cacatuides ab ca. 5 € und für ein schönes Paar A. nijsseni 10 €. Andere Arten können auch weitaus teurer sein. Die Gründe für die teilweise hohen Preise dieser Art, sind der geringe Import, da viele Arten nur in einem sehr begrenzten Lebensraum vorkommen und somit recht selten sind, und die geringe Vermehrungsrate von 40 bis 60 Jungtieren pro Brut. Auch ist das Geschlechterverhältnis häufig sehr unausgewogen. Es gibt meist sehr viel mehr Männchen als Weibchen in einem Wurf. Dieses Verhältnis läßt sich allerdings durch die Wassertemperatur und den pH-Wert, je nach Art verschieden, beeinflussen.

Textquelle zum Teil: Kim Höweler; Bilder Anika Börries

 


Unterarten / Zuchtformen:

  extreme natürliche Farbvielfalt (durch Zucht noch verstärkt)

 

Weiterführende Literatur:

Linke, H.; Staeck, W. (1992), Kleine Buntbarsche, Amerikanische Cichliden I, Bissendorf

 

Weiterführende Links (extern!):

www.apistogramma.net www.apistogramma-arten.de
www.koelneraquarienverein.de Datz: Die Buntbarsche Amerikas, Band 2: Die Gattung Apistogramma

 


Diese Artbeschreibung wurde am 09.01.2007 aktualisiert. Die verwendeten Quellen sind in der Bibliographie aufgeführt. Bei Fragen melden Sie sich bitte im Forum. (Bitte die Art angeben!)

 

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