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Warum sollte man sich nicht mal mit Fischen beschäftigen, die nicht
jeder hat? Vor allem dann, wenn die Fische sich ohne Schwierigkeiten
in ein herkömmliches Gesellschaftsaquarium eingliedern lassen? Wenn
sie pflanzenfreundlich sind und wenn sie mit jedem herkömmlichen
Futter vollauf zufrieden sind? Nur zu, versuchen Sie es doch mal
mit Fünffleckbuntbarschen!
Allerdings erreichen Fünffleckbuntbarsche unter Umständen Gesamtlängen
bis zu 13 cm. Das passiert jedoch nur bei den Männchen und auch
nur in wirklich großen Aquarien. Zugegeben, dann können sie für
kleinere Fische schon eine Gefahr werden. Und außerdem - Fünffleckbuntbarsche
haben noch drei weitere Nachteile. Erstens beanspruchen sie weiches
Wasser und auch einen einigermaßen regelmäßigen Wasserwechsel. Das
allerdings sind Ansprüche, die auch viele andere Fische stellen.
Und zweitens kann man sie nicht auf Anhieb in jedem Zoogeschäft
kaufen - sie sind im Verkauf keine „Renner“ , und drittens sehen
sie nicht bunt aus (das ist der Grund für „zweitens“).
Mir
gefallen sie aber. Es sind etwas zu groß geratene Zwergbuntbarsche,
sie sind friedlich wie jene und wurden früher sogar zur Gruppe der
„Pelmatochromis“ gezählt. Damit sind afrikanische Zwergbuntbarsche
gemeint, die man heute vorwiegend der Familie „Pelvicachromis“
zugeordnet hat wie den bekannten und schönen Pelvicachromis
pulcher. Mit der Revision der Gruppe „Pelmatochromis“
wurde für unseren Fünffleckbuntbarsch eine Extra-Familie eingerichtet:
Thysia, benannt nach dem Cichlidenspezialisten Thys
van den Audenaerde. Doch auch dieser Name sollte nicht von
Dauer sein, mittlerweise heißt die Art korrekt Thysochromis ansorgii.
Hoffentlich hat dieser Name einige Zeit Bestand, denn das dauernde
Umlernen macht selbst den Fachleuten keinen Spaß!
Mit Namen ist das so eine Sache, auch mit den deutschen: wenn man
die Flecken auf den Seiten der Fünffleckbuntbarsche nachzählt, kommt
man eigentlich nur in Ausnahmefällen auf fünf Flecken, normalerweise
sind es immer sechs schwärzliche Flecken, die sich in verschiedener
Größe und in sehr unterschiedlichen Abständen in einem lockeren
Band längs über den Körper erstrecken. Sie beginnen am Kiemendeckel
und enden am Schwanzflossenansatz. Gelegentlich werden die Fische
auch Delphinbuntbarsche genannt, wegen ihrer oft an Delphine erinnerndes
gewölbtes Kopfprofil. Aber auch das wäre keine gute Idee, denn auf
diesen Namen erhebt auch ein anderer Cichlide Anspruch, nämlich
Aequidens itanyi. Bleiben wir also beim einmal eingeführten
Namen Fünffleck-Buntbarsch! Gelegentlich liest man auch den Namen
Fünffleck-Prachtbarsch.
Heimat unserer Buntbarsche sind die Küstengebiete Westafrikas von
der Elfenbeinküste im Westen über Ghana und Nigeria bis hin nach
Kamerun. Hier leben sie in kleinen, langsam strömenden Flüssen,
die sich durch die Waldgebiete schlängeln. Die Fünffleckbuntbarsche
kommen oft gemeinsam mit anderen Cichliden wie Hemichromis fasciatus,
Tilapia mariae und mit verschiedenen Chromidotilapia-Arten
vor. Es scheinen auch im Freiwasser ausgesprochen friedliebende
Fische zu sein, die den Bodengrund und Wasserpflanzen systematisch
nach Insektenlarven und verschiedenen Kleinkrebsen absuchen.
Die Geschlechter sind bei Thysochromis ansorgii leicht zu
unterscheiden, natürlich aber erst, wenn die Tiere im geschlechtsreifen
Alter sind! Die Männchen sind deutlich größer als die Weibchen.
Die Weibchen erkennt man aber leicht auf Anhieb. Sie sind mit einem
großen, leuchtend silbrig weißen Fleck in der Aftergegend geschmückt.
Diesen Fleck haben zwar auch die Jungfische, egal ob Männchen oder
Weibchen, aber mit zunehmender Größe verlieren die Männchen diese
Zeichnung. Wenn die Weibchen laichreif werden, wird ihr Bauch deutlich
voluminöser und er beginnt sich, mehr oder weniger kräftig rötlich
zu färben.
Wer den Ehrgeiz hat, seine Thysochromis ansorgii zu züchten,
sollte sie lieber in ein separates Zuchtbecken überführen. Allerdings
müßte es schon von ausreichender Größe sein, denn wenn diese Cichliden
pflegen sollen, verlangen sie doch nach einem Becken von mindestens
80 cm Seitenlänge. Und selbst das ist noch keine Garantie. Im Gegenteil,
es passiert ausgesprochen selten, dass die Eltern ihre Brut so aufziehen,
wie man es eigentlich erwarten sollte. In vielen Fällen fressen
sie ihren Laich oder die Larven kurz vor dem Freischwimmen auf!
Unnötig zu erklären, dass das keine natürliche Verhaltensweise sein
kann - irgendetwas müssen wir falsch machen.
Wer seine Thysochromis züchten will, ist gut beraten, wenn
er sie ausgiebig mit Lebendfutter versorgt. Dann wird er oft schon
Tage vor dem Ablaichen beobachten, dass die Zuchtfische ausgiebig
„putzen“. Die Fische betupfen mit ihrem Maul immer wieder Steine
und andere mögliche, zum Ablaichen geeigneten Flächen. Manchmal
hat es gar den Anschein, als wollten sie kleine Stückchen aus den
Steinen herausbeißen. Die Deutung der meisten Aquarianer ist logisch:
die Unterlage für die dort anzuheftenden Eier muss natürlich gereinigt
werden! Vermutlich ist diese Deutung aber falsch. Die beiden zukünftigen
Laichpartner stimmen sich lediglich aufeinander ein, synchronisieren
gewissermaßen ihre „Gefühle“ - auf „menschlich“ übersetzt: wir wollen
für einige Zeit beisammenbleiben und für Nachwuchs sorgen. Ganz
sicher wird bei diesem „Putzen“ auch über die Lage des zukünftigen
Laichplatzes abgestimmt.
Während der Balz verfärben sich die Tiere deutlich. Die Fleckenreihe
des Männchens scheint miteinander zu verschmelzen und es bildet
sich ein unregelmäßig gestalteter Körperlängsstreifen, der oberhalb
am Rücken noch von einem feineren Parallelstreifen begleitet wird.
Auch das Fleckenmuster des Weibchens ändert sich jetzt. Auch sie
hat jetzt im Rückenbereich eine parallele Fleckenfolge, die aber
ebenfalls feiner als die normalen Seitenflecken sind. Beide Reihen
sind oft mit nicht ganz so dunklen Querbinden verbunden, die sich
auch über die Bauchzone hinaus noch nach unten fortsetzen.
Sehr wählerisch sind die Buntbarsche nicht im Hinblick auf den
Laichplatz. Sicher nehmen sie gern eine Höhle, wenn der Höhleneingang
nur ausreichend groß genug ist. Im Inneren einer Höhle ist man gut
gedeckt und einigermaßen sicher. Aber ebenso gern laichen die Fünffleckbuntbarsche
auch auf schräg gestellten Schiefertafeln oder überhaupt auf Steinen,
gelegentlich sogar direkt an der Aquarienscheibe.
Die
Gelege bestehen aus ca. 250 bis 500 Laichkörnern. Die Eier sind
nicht etwa unscheinbar durchsichtig, wie man es bei Offenbrütern
gewöhnt ist. Sie sind auffallend gelblich oder ockerfarben - ein
deutlicher Hinweis darauf, dass diese Fische eben doch darauf eingestellt
sind, die Eier eher versteckt abzulegen. Die Eier sind länglich
oval. Dabei sind sie 2 mm lang und um 1,2 mm breit.
Die Eier hängen an kleinen Haftfäden. Wenn die Mutter dem Gelege
Frischwasser zufächelt, bewegt sich der Laich in der Wasserströmung.
Es sieht es so aus, als würden sich Getreidehalme im Wind wiegen.
Drei Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven aus den Eihüllen.
Sie sind dann gerade mal 4 mm groß - und jetzt ist leider der Zeitpunkt,
zu dem sie unter Aquarienverhältnissen spätestens von den Eltern
verspeist werden. Wer Glück hat, und eben doch gut pflegende Eltern
besitzt, kann beobachten, dass die Mutter jetzt die Larven in Gruben
unterbringt, die sie in den Sand gegraben hat. Es werden immer wieder
neue Gruben angelegt und die zunächst noch schwimmunfähigen Kleinen
werden ständig umgebettet. Der Vater hat dann noch nicht viel zu
melden. Er beschäftigt sich lieber damit, in sich in der weiteren
Umgebung der Familie umzuschauen. Auf diese Weise sorgt er im Freiwasser
dafür, dass sich eventuelle Fressfeinde nicht zu nahe an die Brut
heranmachen können und ihr möglicherweise gefährlich werden. Erst
später, wenn die Jungen freischwimmen, beteiligt sich der Vater
am Führen seiner Nachkommenschaft.
Wer seine Thysochromis-Eier vor den kannibalischen Gelüsten
der Eltern rechtzeitig rettet, kann unter dem Mikroskop immerhin
beobachten, wie die Entwicklung in den folgenden Stunden abläuft.
Bei einer Wassertemperatur von etwa 24° C erkennt man am zweiten
Tag, dass sich die Augen schon fast vollständig entwickelt haben.
Sie sind allerdings noch unpigmentiert. Aber man kann dann auch
schon die Wirbelsegmente finden und bei genauerem Hinsehen, sieht
man auch das Blut durch die Adern pulsieren. Am dritten Tag dann
schlüpfen die Larven bereits. Jetzt schlagen die Kleinen fast ununterbrochen
mit ihren Schwänzen, die von den 4 mm Gesamtlänge der Larven ganze
2,6 bis 3 mm ausmachen! Erst einen weiteren Tag später beginnen
sich die Augen dunkel zu färben. jetzt sind sie funktionstüchtig
und nun ist auch bald der Dottersack aufgebraucht und die Kleinen
beginnen nun herumzuschwimmen und nach Futter zu suchen. Die Jungen
müssen jetzt schnell mit passendem Futter versorgt werden. Man sollte
darauf vorbereitet sein. Mit ganz frisch geschlüpften Salzkrebslarven
kann man die Kleinen von Anfang an versorgen. Bei ausreichender
Fütterung und regelmäßigem, aber vorsichtigem Wasserwechsel sind
die jungen Fünffleckbuntbarsche bald so weit herangewachsen, dass
wir sie an interessierte Aquarianer weitergeben können.
Text und Fotos: Dr.
Jörg Vierke
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